Dienstag, 13. August 2024

Tag 18… Stück für Stück


Stück für Stück arbeiten wir uns Richtung Denver vor. Als würden wir einen steilen Berg erklimmen, zieht es sich hin und jede Pause ist ein Ringen zwischen Bleiben und noch ein Stück fahren. Insgesamt sind es noch 10 Stunden Fahrzeit, eigentlich nicht lang, aber wenn es nach Hause geht, erscheint einem alles doppelt so lang.
Als ich um 7 Uhr wach wurde, wollte ich los. Ich war unruhig, hatte schon schlecht geschlafen und wenig Lust auf stundenlanges Autofahren. Und dennoch konnten wir uns schwer lösen und zogen das Frühstück lange hin, so dass wir erst kurz vor zehn aufgebrochen sind mit dem Ziel ca. 6 Stunden zu fahren. Nach 4 Stunden hatten wir den Green River Campground erreicht, wo wir eigentlich übernachten wollten, wenn wir nicht noch eine Nacht am Bryce Canyon geblieben wären. Warum der Fluss Green River heißt, kann man nur erahnen. Vermutlich wegen der schönen grünen Vegetation entlang des Flusses zwischen kahlen, sandigen Bergen. So eröffnete sich eine grüne Oase nachdem wir die staubige Interstate 70 verlassen hatten. Der Fluss selbst ist eher braun, fast rot. Er spühlt den Sand aus den Bergen. Und als wir so an dem sprudelnden Fluss zwischen den schönen grünen Bäumen, vor den Bergen sitzen, wird mir klar, dieses Land ist fragil. Nicht nur geologisch, auch wirtschaftlich und politisch. So wie über Millionen von Jahren das Wasser, der Wind und die Sonne tiefe Gräben in die Landschaft gegraben haben ist die Gesellschaft tief durch die Politik gespalten. Wie der Grand Canyon geht ein großer Graben durch die politische Landschaft und wirtschaftlich ist der zweite Lack ab. Unzählige Autofriedhöfe am Straßenrand, armen Viertel und eine größtenteils übergewichtige Gesellschaft zeugen davon, dass das Land stehen geblieben ist in seiner Entwicklung und es bröckelt weiter. Wie der Fluss den Stein aushöhlt und Gräben in die Landschaft zieht, ist das Land tief gespalten.

Es ist ein Amerika, das im Verborgenen bleibt und bleiben möchte. Die Gesellschaft tut alles, um den Schein zu wahren. So wie ihre oberflächliche Freundlichkeit scheint das ganze Land und das Leben hier nicht sehr tiefgründig zu sein.

Und so verlassen wir die grüne Oase, die auch nur Schein ist und fahren weiter in Richtung Colorado, dem Zuhause ein Stück näher.

Die Kinder würden gern noch ein wenig weiter das hoch kalorische und wenig gesunde Essen genießen, ich freue mich auf Haferflocken und Vollkornbrot, doch die Eindrücken, die diese Landschaft bei mir hinterlassen hat, nehme ich mit. Und hoffe, dass dieses Gefühl, das angesichts dieser Naturgewalten entstanden ist, nie vergeht. Es ist schön und erschreckend zugleich. Die Erde sie lebt, sie bewegt sich und sie stöhnt und es interessiert sie nicht, ob wir auf ihr herrumkrabbeln. Ein Teil von mir wünschte, dieses Land wäre nie entdeckt worden und die Native Americans würden immer noch oden Büffeln hinterherjagen, die es jetzt nicht mehr gibt, und im Einklang mit der Natur leben. Es hätte etwas friedliches.















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